Innovation in der Landwirtschaft erleben

Ein Blick hinter den Kulissen im Rahmen von „Europa in Wien“

Unter dem Titel „Europa in Wien“ öffnen zwischen 15. und 19. Mai EU-finanzierte Projekte in Wien ihre Türen für alle Interessierten. Die Wiener Landwirtschaftsbetriebe haben dabei einige besondere Schauplätze zu bieten. Wer sich für den Stand der Dinge in der Nahrungsproduktion interessiert, kann bei vier Betrieben einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Am Ende von Essling, wo Wien ins brettlebene Marchfeld übergeht, gute sechs Kilometer von der Donau entfernt – ausgerechnet hier kann man besichtigen, was der Europäische Meeres- und Fischereifonds fördert: Blün. So nennen vier Landwirte aus der Gegend ihr Projekt. Blün steht für die Mischung aus Blau und Grün und beschreibt den Mix im Betrieb: Fische züchten und mit dem, was dabei übrig bleibt, Gemüse herstellen. Das Fachvokabel dafür ist „Aquaponik“: Man verwendet das Abwasser der Fische zum Bewässern der Pflanzen und lässt es den Dünger gleich mitliefern. Tomaten eignen sich besonders gut dafür, aber bei Blün wird auch mit vielen anderen Gemüsesorten experimentiert. Die „Wiener Fische“, die so in neun Monaten heranwachsen, sind Welse oder Buntbarsche.

Für Gregor Hoffmann, einem der vier Blün-Landwirte, war die Aquaponik das logische Ergebnis gemeinsamen Nachdenkens: „Wie kann man heute ressourcenschonend gesunde Lebensmittel erzeugen? Da kommt man schnell auf Fisch.“ Ein Kilo Fischfutter ergibt ein Kilo Fisch. Bei der Rinderzucht benötigt man dagegen die zwölffache Menge an Trockenfutter für die gleiche Menge Fleisch.

Auto und Halle mit Schild Blün

Von außen betrachtet wirkt Blün wie ein Unternehmen, mit systematisch betriebener Innovation, schlüssigem Branding und durchgestyltem Hofladen. Doch Gregor Hoffmann weist auf das Fundament des Unternehmens hin: „Unser Zugang ist wie ein Startup nach vorne gerichtet, doch letztendlich ist es pure Landwirtschaft. Wir sind alle in vierter, fünfter Generation Gärtner und bringen internationale Ausbildungen mit.“ Blün sieht sich in einem globalen Trend von neuartiger Landwirtschaft mitten in den Städten: „Bei uns kann man ‚Think global, act local‘ erleben, angreifen und vor allem essen.“

 

Fährt man von Eßling weiter nach Neueßling bis direkt an die Stadtgrenze, steht man vor dem modernsten Gurken-Glashaus Österreichs. Die Familienbetriebe Flicker und Haidvogl aus Wien-Donaustadt haben hier ihre Kräfte zusammengelegt: Vier Meter hoch, Gurken so weit das Auge reicht, mit über vier Hektar ungefähr so groß wie das komplette Ernst-Happel-Stadion. Jede zehnte Wiener Gurke wächst hier.

Martin Flicker

Martin Flicker ist Spezialist für die Mini-Gurken, die er über die LGV Frischgemüse vertreibt. Bis zum Vorjahr war sein Betrieb auf mehrere Standorte in Aspern und Eßling verteilt, was die Arbeit nicht unbedingt leichter gemacht hat. Besonders bei den Mini-Gurken, die sehr arbeitsintensiv sind, stieß er an Produktionsgrenzen. Am neuen Standort kann er sie bald ganzjährig züchten.

Mit der Stadterweiterung im 22. Bezirk wird es für die Gärtner schwierig, ihre Betriebe zu vergrößern. Wien zu verlassen, kam für Martin Flicker, der seinen Betrieb in dritter Generation führt, aber nicht in Frage: „Also haben wir einen neuen Standort in Wien gesucht und konnten schlussendlich von der Stadt Wien diese Fläche nahe der Stadtgrenze pachten.“

Der neue Standort von Flicker und Haidvogl wurde nach zwei Jahren Planung in einem knappen halben Jahr errichtet und ist seit Februar in Betrieb. Förderungen kamen von EU, Bund und Stadt Wien. Im Glashaus kann der Stand der Technik besichtigt werden: Es ist mit Schirmen ausgestattet, die in der kalten Jahreszeit helfen, die Wärme im Glashaus zu halten, und die im Sommer Hitze reduzieren. Wasser wird in einem Kreislausystem gereinigt und wiederverwendet. Und erstmals ranken sich die Gurkenpflanzen in einem Wiener Glashaus auf bis zu vier Meter hohen Drähten.

Alle Informationen zu den Projektbesichtungen im Rahmen von „Europa in Wien“ finden sich auf Facebook: https://www.facebook.com/EUropaInWien/