Tag der Tomate

Im Regal wie im Garten beliebtestes Gemüse der Wiener

Sacher, Rhianna oder Adonis – das sind nur einige Namen, die am 8. August abgefeiert werden. Es handelt sich dabei nicht etwa um einen exotischen Namenstag, sondern um den „Tag der Tomate“. Die Namen stehen für die vielen Tomatensorten, die an diesem Tag mitten in der besten Tomatenzeit gewürdigt werden.

Tomaten sind das beliebteste Gemüse im Land. Rund 27 Kilogramm essen die Österreicherinnen und Österreicher pro Jahr – das entspricht im Durchschnitt etwa einer Tomate pro Tag. Wobei die Wiener immer noch eher zu „Paradeisern“ als zu „Tomaten“ greifen. Welches der beiden Wörter verstanden und verwendet wird, hängt nämlich von der Region ab. LGV-Gärtner Stefan Bauer aus Essling bezeichnet sich selbst als „Paradeisergärtner“: „Für mich es ist immer noch der Paradeiser, das ist ein typisch Wienerisches Wort. Im Westen kennt man den ‚Paradeiser‘ gar nicht, aber im Osten ist das Wort verwurzelt. Es stammt vom ‚Paradiesapfel‘ – das ist ein wunderschöner Name. Tomaten heißen sie überall.“

Stefan Bauer
Stefan Bauer, Paradeisergärtner in Essling: Nur die ganz roten Früchte werden geerntet.

Erst seit etwa 1900 werden Paradeiser in großer Menge auf den Wiener Märkten verkauft. 1873 waren sie noch so exotisch, dass sie bei der Weltausstellung in Wien als Neuigkeit präsentiert wurden. In den letzten Jahren hat dann ein regelrechter Sortenboom eingesetzt: Lagen früher nur einfache Tomaten im Regal, gibt es jetzt sie jetzt in allen Größen und Farben – von Ochsenherz über Cocktail bis Kirsch. Rund 3.900 Tomatensorten sind im Sortenkatalog der EU registriert, darüber hinaus gibt es je nach Schätzung einige Tausend weitere Sorten. „Je kleiner die Tomate ist, desto aromatischer wird sie“, sagt Stefan Bauer. Neben der Sortenwahl sei der zweite entscheidende Punkt für den guten Geschmack, der Pflanze ausreichend Zeit zur Reife zu geben: „Wenn man den Paradeiser noch orange erntet, kann er nie den kompletten Geschmack entfalten. Bei uns werden nur rote Früchte geerntet.“

Tomaten zählen auch beim Garteln zu den beliebtesten Pflanzen im Land. Egal ob am Balkon oder im eigenen Gemüsegarten, die meisten Hobbygärtner versuchen sich irgendwann an der Tomate. Damit diese Zucht erfolgreich ausfällt, warnt Profi-Gärtner Stefan Bauer vor zu viel Wasser: „Das wichtigste ist, dass die Pflanzen nicht nass werden. Bei Gewitter oder Regentagen sollte man eine Plastikhaube oder einen Folientunnel drübergeben. Nasse Blätter sind immer ein Risiko für Fäulnis oder Mehltau. Und man sollte es auch mit der Bewässerung nicht übertreiben. Die Pflanze sollte lieber etwas zu trocken als zu nass sein. So bleibt sie auch unten gesund und bildet immer neue Wurzeln.“

Marianna Ganger
Bietet 78 Sorten an: Gärtnerin Marianne Ganger aus Aspern

In den Gemüsegärten ist die Sortenvielfalt noch wesentlich größer als im Supermarkt oder am Bauernmarkt. Bei der Gärtnerei Ganger in Aspern bekommt man nicht weniger als 78 verschiedene Sorten an Paradeiserpflanzen. Angetan haben es Marianne Ganger besonders die sogenannten „alten Sorten“, die im Supermarkt lange irgendwo zwischen unverkäuflich und unansehnlich eingeordnet wurden. Die gibt es alle Größen, Formen und Farben, von schwarz über gelb und orange bis zu grün. Das Farbenspiel stellt manche vor ein Ernteproblem, schmunzelt Ganger: „Bei den grünen Paradeisern kann man sich leicht täuschen. Die sind noch grün und sehen unreif aus, dabei ist aber der ‚Green Envy‘ ein hervorragender, schmackhafter grüner Cocktailparadeiser.“ Bei so einem großen Angebot stellt sich die Frage: Wer kauft eigentlich die 78. Sorte? Gärtnerin Marianne Ganger: „Da steckt eine gewisse Sammlerleidenschaft und Liebhaberei dahinter. Das ist etwas für Leute, die so wie wir die Vielfalt lieben. Unsere Kunden kommen dann mit den Karten vom Vorjahr und wollen unbedingt wieder neue Sorten ausprobieren. Fast schon wie eine Sucht, aber eine gesunde.“