Rosen und Gemüse mit Bio-Zertifikat

Was die Umstellung auf "Bio" für einen Betrieb bedeutet

Immer mehr Betriebe in der Stadt stellen auf biologische Landwirtschaft um. Einer davon gehört Petra Fleischhacker aus Simmering. Bio bringt ein vielfältigeres Gemüseangebot, aber auch mehr Arbeit für die Gärtner.

Fragt man Petra Fleischhacker, was die Umstellung auf biologische Landwirtschaft mit sich bringt, fällt ihr als erstes die Bürokratie ein: Sie erzählt von Biokontrollverträgen und Kontrollstellen, von Richtlinien und Konsequenzen und vom begehrten Bio-Zertifikat. Der Stempel „Bio“ auf Betrieb und Produkten ist heute viel wert. Immer mehr Konsumenten entscheiden sich für Bio-Lebensmittel, achten auf Herkunft und Anbau und greifen bewusst zum biologisch angebauten Gemüse.

Petra Fleischhacker und ihre Schwester

Doch fragt man Petra Fleischhacker dann, was die Umstellung für sie persönlich bedeutet, beginnen ihre Augen zu leuchten. Jetzt geht es um die Arbeit am Acker und im Glashaus in ihrem Betrieb in Wien-Simmering: Ja, es sei viel Arbeit, man lerne ständig dazu, es gehe auch manches schief, aber die Freude sei enorm. Wer biologisch wirtschaftet, darf keine Pflanzenschutzmittel gegen Unkraut verwenden. Stattdessen ist im Betrieb Fleischhacker jetzt Handarbeit angesagt und die Kraft der Natur wird spürbar: „Die umgestellte Bio-Freilandfläche haben wir zuvor seit Jahrzehnten nicht bewirtschaftet. Unkraut wuchert ständig. Kaum regnet es, wuchert es noch mehr. Letztes Jahr sind wir mit der Arbeit fast nicht mehr nachgekommen. Manchmal hat man das angebaute Gemüse kaum noch gesehen“, erinnert sich Fleischhacker an das zweite Jahr der Umstellung.

Die Umstellung eines Betriebs auf biologische Landwirtschaft dauert normalerweise zwei Jahre: In dieser Zeit wird schon nach den Bio-Kriterien gearbeitet, doch die Produkte werden noch zunächst als konventionell und im zweiten Jahr als „Umstellungsware“ verkauft. Erst mit dem Zertifikat lohnt sich die Mühe.

Im Simmeringer Familienbetrieb, den Petra Fleischhacker gemeinsam mit ihrer Schwester führt, dauert es sogar noch länger: Bis vor einigen Jahren war der Betrieb vor allem für seine Rosenzucht bekannt. Bio-Rosen aus Wien halten nicht nur länger als die Importware, sie sind auch essbar: Als Rosenmarmelade oder als Dekoration auf Salaten und Desserts finden die Rosenblätter aus dem Haus Fleischhacker ihren Weg in die Küche. Doch Rosenstöcke werden nicht jedes Jahr neu ausgepflanzt und so dauert die Umstellung bei bestehenden Kulturen drei Jahre.

Mit der Umstellung ändern sich die Ansprüche an Saatgut und Jungpflanzen. Petra Fleischhacker darf seit der Umstellung nur ungebeiztes Bio-Saatgut verwenden. Die meisten Pflanzenschutzmittel sind verboten, Kunstdünger ebenso, stattdessen kommt Kompost zum Einsatz. Auch Pflanzen in Töpfen sind nicht erlaubt, erzählt Fleischhacker: „Alle Pflanzen wachsen in Mutter Erde, selbst Bioerde im Topf ist nicht erlaubt, die abgeerntete Frucht einer solche Pflanze wäre nicht mehr bio.“

Biene

Der belebte Boden gilt als das zentrale Element der biologischen Landwirtschaft: Nur auf perfekten Böden gedeihen gute Pflanzen. Sogenannte Nützlinge helfen dabei, die nötigen Grundlagen für das Wachstum der Pflanzen zu schaffen: Insekten, Käfer oder Bakterien bekämpfen Schädlinge, in dem sie sich zum Beispiel von deren Larven ernähren. Das nützliche Tierchen wird also gegen das schädliche Tierchen in Stellung gebracht. Die Bio-Gärtner kaufen dafür Nützlings-Mischungen ein: „Wenn man zum Beispiel eine Blattlaus sieht, muss man sofort reagieren. Aber es gibt verschiedene Blattläuse und jeder Nützling geht nur auf eine bestimmte Art los. Also muss man die Art der Blattlaus erkennen und genau wissen, welchen Nützling man jetzt ausbringen muss“, beschreibt Petra Fleischhacker die Aufgabe für die Bio-Gärtner.

Petra FleischhackerFruchtfolge ist anderes wichtiges Stichwort rund um die biologische Landwirtschaft: Auf einem Stück Feld werden jedes Jahr andere Pflanzen angebaut, um den Boden nicht auszulaugen. Dadurch bieten Bio-Betriebe immer verschiedene Gemüseprodukte an. Die Fruchtfolge ist nicht nur gut für den Boden, sondern senkt auch das Risiko, sagt Fleischhacker: „Letztes Jahr habe ich Salat gepflanzt, den haben freilaufende Feldhasen abgeknabbert. Also gibst du ein Vlies drüber, dafür kommen dann andere Tiere. Es gibt also immer neue Herausforderungen. Aber durch die Fruchtfolge habe ich ein noch größeres Sortiment und so ist es nicht so schlimm, wenn eine Kultur einmal nichts wird.“

Ab 2020 wird die Gärtnerei Fleischhacker vollständig biologisch wirtschaften.