Kreislaufwirtschaft in der Wiener Stadtlandwirtschaft

Gut für Klima und Versorgung

Gartenbau Merschl

Wie können frische Lebensmittel produziert und gleichzeitig Ressourcen geschont werden? Ein Wiener Gemüsebaubetrieb zeigt, wie das funktioniert. Moderne Technik, erneuerbare Energie und kluge Kreisläufe helfen dabei, Gemüse nachhaltig zu erzeugen und die regionale Versorgung zu stärken.

Norbert Walter, Jürgen Czernohorszky, Martin Merschl
v.l.n.r.: Norbert Walter, Jürgen Czernohorszky, Martin Merschl (c) Harald Klemm

Wenn aus CO₂ eine Ressource wird

Am Betrieb der Familie Merschl in Wien wird sichtbar, wie Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft funktionieren kann. Auf rund 70.000 Quadratmetern Gewächshausfläche wachsen jährlich etwa 3.000 Tonnen Paradeiser, die über die Marke „LGV Gärtnergemüse“ in der Region verkauft werden.

Besonders innovativ ist die moderne Biomasse-Heizanlage in Kombination mit einer Carbon-Capture-Anlage – der ersten Anlage dieser Art im industriellen Maßstab in Österreich. Dabei wird CO₂, das bei der Energieerzeugung entsteht, nicht einfach an die Umwelt abgegeben. Stattdessen wird es aufgefangen und direkt im Gewächshaus wieder genutzt. Dort unterstützt es das Pflanzenwachstum und wird so Teil eines natürlichen Kreislaufs.

Regionale Energie statt fossiles Gas

Mit der neuen Anlage hat der Betrieb fossiles Erdgas durch regionale, erneuerbare Energie ersetzt. Das macht die Produktion unabhängiger von Energieimporten und reduziert gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Regionales Gemüse kann noch klimafreundlicher produziert werden, ohne dass dabei die Versorgungssicherheit leidet.

Nachhaltige Landwirtschaft für die Stadt

Die Stadt Wien verfolgt mit ihrer Strategie „Zirkuläres Wien – Eine runde Sache“ das Ziel, Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten und Verschwendung zu vermeiden. Auch die Landwirtschaft spielt dabei eine wichtige Rolle. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont, dass eine ressourcenschonende Lebensmittelproduktion sowohl dem Klimaschutz als auch der Versorgungssicherheit dient. Regionale Betriebe leisten dabei einen wichtigen Beitrag, indem sie Lebensmittel in der Nähe der Konsumentinnen und Konsumenten produzieren.

Moderne Technik schließt Kreisläufe

„Kreislaufwirtschaft“ bedeutet, Ressourcen möglichst effizient zu nutzen und Abfälle zu vermeiden. In der Landwirtschaft kann das etwa heißen, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen, Wasser sparsam einzusetzen oder Nebenprodukte wiederzuverwerten. Laut Landwirtschaftskammer Wien helfen moderne Technologien dabei, solche Kreisläufe wieder zu schließen. Gleichzeitig unterstützen Beratungsangebote die Betriebe dabei, ihren Energie-, Wasser- und Ressourceneinsatz zu analysieren und noch nachhaltiger zu wirtschaften.

Erneuerbare Energie gewinnt an Bedeutung

Viele Wiener Gartenbaubetriebe setzen bereits auf klimafreundliche Energie. Rund 47 Prozent nutzen Fernwärme, weitere 10 Prozent heizen mit biogenen Brennstoffen wie Pellets oder Hackschnitzeln. Der Trend geht klar in Richtung erneuerbarer Energien und höherer Energieeffizienz.

Das Beispiel des Betriebs Merschl zeigt, wie Klimaschutz, Innovation und regionale Lebensmittelversorgung zusammenwirken können. Durch die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Stadt Wien und weiteren Partnern entstehen Lösungen, die sowohl die Umwelt entlasten als auch die Versorgung mit frischen Lebensmitteln aus der Region sichern.

So wird Kreislaufwirtschaft zu einem wichtigen Baustein für eine nachhaltige Stadtlandwirtschaft – und für eine lebenswerte Zukunft in Wien.